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Schuhe

Ratgeber Sicherheitsschuhe: S1, S2, S3, S4, S5, S6, S7 und ESD

Welche Schutzklasse brauche ich wirklich? Alle Kennzeichnungen von S1 bis S7 verständlich erklärt – auf dem Stand der EN ISO 20345:2022, inklusive der alten Kürzel SRA, SRB, SRC und WRU, die Ihnen noch begegnen.

Sicherheitsschuhe verschiedener Schutzklassen nebeneinander
Sicherheitsschuhe verschiedener Schutzklassen nebeneinander

Sicherheitsschuhe sind ein wesentlicher Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung am Arbeitsplatz (PSA). Und das aus gutem Grund: Auswertungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) zeigen, dass bei rund 17,5 Prozent aller Berufsunfälle im Handwerk und in der Industrie der Bereich Fuß und Knöchel betroffen ist. Damit sind die Füße das am zweitstärksten gefährdete Körperteil.

Doch welcher Sicherheitsschuh ist der richtige für mich? Zwischen S1P, S3, ESD und SRC verliert man als Laie schnell den Überblick – und seit der Normfassung EN ISO 20345:2022 ist ein Teil dieser Kürzel zusätzlich neu geregelt. Dieser Ratgeber ordnet beides ein: die aktuelle Kennzeichnung und die alte, die Ihnen im Markt weiterhin begegnet.

Was die EN ISO 20345:2022 geändert hat

Die EN ISO 20345:2022 gilt seit dem 30. Juni 2022 und löst die Fassung von 2011 ab. Wichtig für die Praxis: Beide Kennzeichnungen sind derzeit gleichzeitig im Umlauf. Schuhe, die nach der alten Fassung zertifiziert wurden, dürfen bis zum Ablauf ihres Zertifikats weiter in Verkehr gebracht werden – Zertifikate laufen längstens fünf Jahre. Sie werden also noch eine Weile Modelle mit „SRC" neben Modellen mit „SR" im Regal finden. Das ist kein Widerspruch und kein Mangel.

Das sind die vier Änderungen, die im Alltag zählen:

Themabis 2011seit 2022
RutschhemmungZusatzkennzeichen SRA, SRB oder SRCEine Grundrutschhemmung ist für jeden Sicherheitsschuh Pflicht und wird nicht mehr eigens gekennzeichnet. Nur der zusätzlich bestandene, schärfere Test auf Keramikfliese mit Glyzerin führt zur Kennzeichnung SR. SRA/SRB/SRC entfallen.
Durchtrittschutzeinheitlich PAufgeteilt in P (metallische Einlage), PL (metallfrei, geprüft mit 4,5-mm-Nagel) und PS (metallfrei, geprüft mit 3,0-mm-Nagel). PS bietet den feineren Schutz gegen dünne Gegenstände.
WasserschutzWRU für das ObermaterialWPA ersetzt WRU (Wasserdurchtritt und -aufnahme des Obermaterials). WR steht unverändert für den wasserdichten Gesamtschuh.
Neue KlassenS1 bis S5Zusätzlich S6 (S2 mit wasserdichtem Gesamtschuh) und S7 (S3 mit wasserdichtem Gesamtschuh).

Ergänzend sind zwei Kennzeichen neu hinzugekommen: SC für eine abriebfeste Zehenkappenabdeckung und LG für Leitergriffigkeit. Und eine Kleinigkeit, die häufig übersehen wird: die Kraftstoffbeständigkeit der Laufsohle (FO) ist keine Grundanforderung der Klassen S1 bis S3 mehr, sondern ein optionales Zusatzkennzeichen. Wer sie braucht, muss künftig gezielt darauf achten.

Gefährdungs- und Auswahlkriterien

Die Vorgaben an den Fußschutz von Arbeitnehmern werden durch das Arbeitsschutzgesetz und die Unfallverhütungsvorschriften geregelt. Je nach Art der Tätigkeit hat der Arbeitgeber eine Beurteilung der Gefährdung vorzunehmen. Diese kann unter anderem folgende Punkte umfassen:

GefährdungUrsachen und Art der EinwirkungAuswahlkriterium
Mechanische EinwirkungenHerabfallende Gegenstände oder Einklemmen des VorderfußesFestigkeit des Schuhs im Bereich der Zehen (Zehenkappe)
Sturz und Auftreffen mit der FerseEnergieaufnahmevermögen des Absatzes, Verstärkung der Hinterkappe
Einwirkung auf Knöchel und MittelfußWirksame Ausrüstung, z. B. Polsterung, Knöchel- oder Mittelfußschutz
Treten auf spitze und schneidende GegenständeDurchtrittsicherheit der Sohle (P, PL oder PS)
Sturz durch AusgleitenGlatte, nasse oder fettige BödenRutschhemmung der Sohle (Grundanforderung, ggf. zusätzlich SR)
Einwirkung von ElektrizitätElektrische SpannungIsolierung bzw. Ableitung von Spannung (A, C)
Thermische EinwirkungenHitze oder KälteWärme- oder Kälteisolierung, Hitzebeständigkeit (HI, CI, HRO)
Chemische EinwirkungenFlüssigkeiten, Stäube oder NebelDichtheit, Beständigkeit
Biologische EinwirkungenMikroorganismen oder andere biologische StoffeFlüssigkeitsdicht, leicht zu reinigen und zu desinfizieren
Zündung explosionsfähiger AtmosphäreStatische ElektrizitätAbleitfähigkeit

Schutzklassen S1 bis S7 nach EN ISO 20345:2022

Nach der gesetzlich geforderten tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung folgt die Auswahl des Schuhs. Sicherheitsschuhe unterliegen der EN ISO 20345 (Kürzel S, mit Zehenschutzkappe), Berufsschuhe ohne Zehenschutzkappe der EN ISO 20347 (Kürzel O). Die Schutzklassen bauen aufeinander auf:

KlasseAnforderungen
SBGrundanforderung: Zehenschutzkappe (200 Joule Stoßenergie) und Grundrutschhemmung
S1SB + geschlossener Fersenbereich + antistatisch (A) + Energieaufnahme im Fersenbereich (E)
S1PS1 + Durchtrittschutz mit metallischer Einlage
S1PLS1 + metallfreier Durchtrittschutz (Prüfung mit 4,5-mm-Nagel)
S1PSS1 + metallfreier Durchtrittschutz (Prüfung mit 3,0-mm-Nagel)
S2S1 + Wasserdurchtritt und -aufnahme des Obermaterials (WPA)
S3S2 + Durchtrittschutz (metallisch) + profilierte Laufsohle
S3L / S3Swie S3, Durchtrittschutz metallfrei (PL bzw. PS)
S4Vollständig geformter Schuh aus Gummi oder Polymer + antistatisch + Energieaufnahme im Fersenbereich + geschlossener Fersenbereich
S5S4 + Durchtrittschutz + profilierte Laufsohle (metallfreie Varianten: S5L / S5S)
S6 (neu)S2 + wasserdichter Gesamtschuh (WR)
S7 (neu)S3 + wasserdichter Gesamtschuh (WR) – metallfreie Varianten: S7L / S7S

Hinweis: Die Kraftstoffbeständigkeit der Laufsohle (FO) war bis 2011 Bestandteil von S1 bis S3 und ist heute ein optionales Zusatzkennzeichen.

Hinweis: Diese Übersicht dient der ersten Orientierung. Für Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben übernehmen wir keine Gewähr – maßgeblich ist ausschließlich der jeweils gültige Normtext der EN ISO 20345 in seiner aktuellen Fassung. Die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung ersetzt diese Übersicht nicht.

Zusatzkennzeichnungen

Über die Schutzklasse hinaus kann ein Schuh weitere Eigenschaften tragen. Diese Kürzel stehen direkt hinter der Klassenbezeichnung, zum Beispiel „S3 SR CI".

KürzelBedeutung
PDurchtrittschutz, metallische Einlage
PLDurchtrittschutz, metallfrei, Prüfung mit 4,5-mm-Nagel
PSDurchtrittschutz, metallfrei, Prüfung mit 3,0-mm-Nagel
SRErhöhte Rutschhemmung (Keramikfliese mit Glyzerin). Die Grundrutschhemmung erfüllt jeder Sicherheitsschuh und wird nicht gekennzeichnet.
AAntistatische Schuhe
CLeitfähige Schuhe
EEnergieaufnahme im Fersenbereich
WPAWasserdurchtritt und -aufnahme des Obermaterials (ersetzt WRU)
WRWasserdichtheit des gesamten Schuhs
SC (neu)Abriebfestigkeit der Zehenkappenabdeckung (Scuff Cap)
LG (neu)Leitergriffigkeit (Ladder Grip)
CIKälteisolierung
HIWärmeisolierung
HROVerhalten gegenüber Kontaktwärme
FOKraftstoffbeständigkeit der Laufsohle (seit 2022 optional)
MMittelfußschutz
ANKnöchelschutz
CRSchnittfestigkeit des Obermaterials

Entfallen sind: SRA, SRB, SRC und WRU. Auf Schuhen mit noch gültigem Zertifikat nach der Fassung von 2011 finden Sie sie weiterhin.

ESD-zertifizierte Sicherheitsschuhe

Auch die elektrischen Eigenschaften gehören zu den Anforderungen, die die EN ISO 20345 an Sicherheitsschuhe stellt. Das Schuhwerk wird auf Basis des Durchgangswiderstands in drei Bereiche eingeteilt: leitend, antistatisch und isolierend. Dabei steht nicht nur der Schutz des Menschen im Vordergrund, sondern auch der von Werkteilen, Maschinen und Werkzeugen.

Hier kommt die Norm DIN EN 61340-5-1 ins Spiel, die sich mit der elektrostatischen Entladung (electrostatic discharge, ESD) und dem Schutz elektronischer Bauelemente gegen elektrostatische Phänomene befasst. Der Durchgangswiderstand der Schuhe muss zwischen 100 Kiloohm und 35 Megaohm liegen, um das gelbe ESD-Kennzeichen zu erhalten.

Wichtig zur Abgrenzung: Antistatisch (A) und ESD sind nicht dasselbe. Ein antistatischer Sicherheitsschuh nach EN ISO 20345 erfüllt einen deutlich weiteren Widerstandsbereich und schützt in erster Linie den Träger. Wer elektronische Bauteile fertigt oder handhabt, braucht eine ausdrückliche ESD-Zertifizierung nach DIN EN 61340-5-1 – die Kennzeichnung „A" allein genügt dafür nicht.

Gelbes ESD-Kennzeichen auf einem Sicherheitsschuh

Welcher Sicherheitsschuh ist der richtige für mich?

Die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung ist alternativlos – einige Anhaltspunkte als grobe Richtlinie können wir Ihnen dennoch geben:

  • S1 eignet sich für Arbeitsbereiche, in denen keine Einwirkung von Feuchtigkeit zu erwarten ist. Das ist in erster Linie in Innenräumen der Fall.
  • S1P, S1PL, S1PS decken den S1-Bereich ab und ergänzen ihn um eine durchtrittsichere Sohle. Sie vermindert die Gefahr durch scharfe und spitze Gegenstände wie Schrauben oder Scherben. Für sehr feine Gegenstände ist die PS-Variante die schärfere Prüfung.
  • S2 kommt dort zum Einsatz, wo zusätzlich zum Schutz durch S1 auch Nässe zu erwarten ist.
  • S3 gilt als der klassische Fußschutz, zum Beispiel in der Bauwirtschaft: Schutz vor mechanischen Einwirkungen, gegen Nässe und mit durchtrittsicherer Einlage.
  • S4 und S5 sind vollständig geformte Gummi- oder Polymerstiefel für dauerhaft nasse und schmutzige Umgebungen – etwa in der Landwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung oder im Tiefbau.
  • S6 und S7 sind die richtige Wahl, wenn der gesamte Schuh wasserdicht sein muss, ohne dass es ein Stiefel sein soll: S6 auf Basis von S2, S7 auf Basis von S3. Typisch für Außenberufe bei Dauerregen, Dachdecker oder den Winterdienst.

Die DGUV hat auf Basis jahrelanger Erfahrung aus dem Unfallgeschehen der gewerblichen Wirtschaft eine Beispielsammlung veröffentlicht, die bei der Auswahl des Fußschutzes Orientierung gibt – die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung ersetzt sie nicht.

Sicherheitsschuhe von inba arbeitsschutz

Unser Sortiment umfasst Sicherheits- und Berufsschuhe aus allen Bereichen, für Damen und Herren – vom klassischen Sicherheitshalbschuh mit Zehenschutzkappe bis zum Stiefel für extreme Anforderungen. Bei der Auswahl legen wir besonderen Wert auf hohen Qualitätsstandard und Tragekomfort, hochwertige Materialien und erstklassiges Leder. Denn kaum ein anderes Körperteil ist so stark gefährdet wie Ihre Füße – und keines Ihrer Paar Schuhe wird so stark gefordert wie Ihre Arbeitsschuhe.

Sie sind unsicher, welche Klasse zu Ihrem Einsatzbereich passt? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns – wir beraten seit über 30 Jahren Betriebe aus Handwerk, Industrie, Pflege und Gastronomie.

Stand: August 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; maßgeblich ist der jeweils gültige Normtext.