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Arbeitsschutz

Arbeitshandschuhe: Welche Norm sagt was? EN 388, EN 407, EN 511 & Co.

Vier Ziffern auf dem Handschuh, ein Hammer-Piktogramm daneben – aber was heißt das konkret? Die wichtigsten Handschuhnormen und ihre Kennzeichnungen verständlich erklärt.

Auf fast jedem Arbeitshandschuh steht eine Zahlenreihe unter einem kleinen Piktogramm. Sie ist keine Artikelnummer, sondern das Prüfergebnis – und wer sie lesen kann, trifft die Kaufentscheidung in Sekunden statt nach Bauchgefühl.

Dieser Ratgeber erklärt die vier Normen, die im Arbeitsalltag zählen, und zeigt, worauf man bei der Auswahl wirklich achten sollte.

EN ISO 21420 – die Grundnorm für jeden Handschuh

Die EN ISO 21420:2020 hat die frühere EN 420 abgelöst. Sie enthält selbst keine Schutzstufen, sondern die Grundanforderungen, die jeder Schutzhandschuh erfüllen muss: Unbedenklichkeit der Materialien, Passform und Fingerfertigkeit, Kennzeichnung und Herstellerinformation.

Praktisch relevant ist vor allem die Fingerfertigkeit (Stufe 1 bis 5): Ein Handschuh der höchsten Stufe erlaubt es, einen dünnen Stift aufzunehmen – wichtig überall dort, wo Feinarbeit ansteht. Ein Handschuh, der nur nach EN ISO 21420 gekennzeichnet ist, bietet keinen spezifischen Schutz gegen Risiken.

EN 388 – mechanische Risiken

Die wichtigste Norm im Handwerk. Erkennbar am Hammer-Piktogramm, darunter eine Folge aus vier Ziffern und bis zu zwei Buchstaben. Aktuell gilt die Fassung EN 388:2016+A1:2018.

PositionPrüfungSkala
1. ZifferAbriebfestigkeit1–4
2. ZifferSchnittfestigkeit (Coup-Test)1–5
3. ZifferWeiterreißfestigkeit1–4
4. ZifferStichfestigkeit1–4
5. Stelle (Buchstabe)Schnittfestigkeit nach TDM-Methode (EN ISO 13997)A–F
6. StelleAufprallschutzP (bestanden)

Der wichtigste Praxishinweis: Seit 2016 ist der Buchstabe (A–F) der aussagekräftigere Wert für Schnittschutz. Der alte Coup-Test stumpft bei modernen, sehr schnittfesten Materialien ab und liefert dann zu niedrige Werte. Wo Schnittgefahr besteht, gilt: auf den Buchstaben schauen, nicht auf die zweite Ziffer. Ein „X" an einer Position bedeutet, dass die Prüfung nicht durchgeführt wurde oder nicht anwendbar ist.

EN 407 – Hitze und Feuer

Piktogramm mit Flamme, sechs Ziffern. Geprüft werden Brennverhalten, Kontaktwärme, konvektive Hitze, Strahlungswärme sowie kleine und große Mengen flüssigen Metalls. Auch hier steht jede Ziffer für eine eigene Prüfung; ein hoher Wert an einer Position sagt nichts über die anderen aus.

Im Alltag begegnen uns drei typische Fälle: Schweißen und Metallbau (hier zählen vor allem die Werte für flüssiges Metall und Kontaktwärme), Gießerei und Ofenarbeit (Strahlungswärme) sowie Backstube und Gastronomie, wo meist Kontaktwärme über kurze Zeit im Vordergrund steht und die Fingerfertigkeit nicht leiden darf.

Ein verbreiteter Irrtum: Ein Handschuh nach EN 407 ist nicht automatisch schwer entflammbar im Sinne von Schutzkleidung. Wer in feuergefährdeten Bereichen arbeitet, braucht dazu passende Kleidung nach EN ISO 11612 – der Handschuh allein genügt nicht.

EN 511 – Kälte

Piktogramm mit Schneeflocke, drei Ziffern: konvektive Kälte, Kontaktkälte, Wasserdichtheit (0 = nicht wasserdicht, 1 = wasserdicht). Relevant für Kühlhaus, Winterdienst, Bau im Winter und Logistik im Außenbereich.

Chemikalien- und Mikroorganismenschutz

Hier greift die EN ISO 374-Reihe. Wichtig zu wissen: Das Piktogramm allein genügt nicht – entscheidend ist die Durchbruchzeit für die konkrete Chemikalie, die im Datenblatt des Herstellers steht. Ein Handschuh, der gegen ein Lösungsmittel hervorragend schützt, kann bei einem anderen binnen Minuten versagen.

Für die Auswahl im Einzelfall bietet das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) eine neutrale Praxishilfe zu Kennzeichnung und Normung von Chemikalienschutzhandschuhen an. Wer regelmäßig mit Gefahrstoffen arbeitet, sollte die Auswahl nicht über das Piktogramm, sondern über das Sicherheitsdatenblatt des Stoffes treffen.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

  • Die Gefährdung bestimmt die Norm, nicht der Preis. Mehrere Risiken gleichzeitig heißt: mehrere Piktogramme.
  • Passform schlägt Schutzstufe. Ein zu großer Handschuh mit Stufe 5 wird ausgezogen und schützt dann gar nicht. Die Fingerfertigkeit nach EN ISO 21420 ist deshalb kein Nebenwert, sondern oft das Kaufkriterium.
  • Schnittschutz nach Buchstabe beurteilen, nicht nach der zweiten Ziffer (siehe oben).
  • Tragedauer und Klima mitdenken: Bei Feuchtarbeit ist Atmungsaktivität oft entscheidender als die letzte Schutzstufe. Ein Handschuh, der Schweißhände verursacht, wird abgelegt.
  • Nachschub sicherstellen. Handschuhe sind Verbrauchsmaterial. Wer nur eine Packung im Schrank hat, arbeitet irgendwann ohne.

Hinweis: Diese Übersicht dient der ersten Orientierung. Für Vollständigkeit und Richtigkeit übernehmen wir keine Gewähr – maßgeblich ist der jeweils gültige Normtext. Die gesetzlich geforderte Gefährdungsbeurteilung ersetzt diese Übersicht nicht.

Sie sind unsicher, was zu Ihrem Einsatzbereich passt? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns – wir beraten seit über 30 Jahren Betriebe aus Handwerk, Industrie, Pflege und Gastronomie.